Deutsche Einwanderer im Civil War

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5 Monate 4 Wochen her #21 von Mrs Katelyn
Mrs Katelyn erstellte das Thema Deutsche Einwanderer im Civil War
Der Anteil der deutschen Einwanderer am amerikanischen Bürgerkrieg wird noch immer unterschätzt. Doch nicht wenige brachten es in der Armee der Nordstaaten bis zum General. In St. Louis sicherten sie "einen der besten Erfolge des ganzen Krie

Vor genau 150 Jahren erlebten die Vereinigten Staaten von Amerika die größte Katastrophe ihrer noch jungen Geschichte: die Abspaltung des Südens von der Union und den Kampf der Nord- gegen die Südstaaten. Es ging um nicht weniger als die Existenz der USA. Insgesamt starben im Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 mehr amerikanische Soldaten als in allen folgenden Kriegen der USA zusammen. Weitgehend unbekannt ist die Rolle der deutschstämmigen Teilnehmer dieses Krieges.

Ihre Geschichte beginnt mit der deutschen Revolution von 1848 - die bereits im folgenden Jahr mit der Zerschlagung der Badischen Republik zu Ende geht. Viele Teilnehmer fliehen über den Atlantik. Von 1852 bis 1854 gehen rund 503.000 Deutsche in die USA, etwa 5 Millionen sind es im gesamten 19. Jahrhundert. Sie lassen sich in New York und anderen Bundesstaaten mit hoher deutschsprachiger Einwohnerschaft nieder. Je länger sie bleiben, umso stärker zerrinnt die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr in die alte Heimat.


Die "Dutch Meetings"

Als Lehrer, Musiker oder Zeitungsmacher sichern sich viele ein geringes Einkommen. Einig sind sich die "48er" in der Ablehnung der Sklaverei, und so wird der Abolitionismus ein wichtiges Aktionsfeld der Flüchtlinge, die unter den deutschsprachigen Einwanderern für die Antisklavereipolitik werben. Ihre Treffen gleichen Volksfesten, zu denen die Siedler von weit her kommen. Einige Tausend Teilnehmer auf diesen "Dutch Meetings", wie sie fälschlicherweise genannt werden, sind keine Seltenheit.

Von dieser Werbung für die Antisklavereibewegung profitiert die im Sommer 1854 gegründete Republikanische Partei. Die regierenden Demokraten werden von Politikern aus dem Süden dominiert. Die Republikanische Partei fasst die sklavereikritischen Kräfte zusammen. Ihr gilt die Unterstützung der "48er".

Bei der Präsidentenwahl im Herbst 1860 votieren zwar drei Fünften der Wähler für andere Kandidaten. Doch die meisten Wahlmännerstimmen entfallen auf den Abgeordneten Abraham Lincoln. Entscheidend sind dabei auch die etwa 300.000 Stimmen deutscher Einwanderer, die bisher eher Demokraten gewählt hatten.

Lincoln, der in zehn südlichen Bundesstaaten gar nicht zur Wahl zugelassen worden war, wird am 6. November 1860 zum Präsidenten gewählt. Damit beschleunigt sich die Spaltung der Vereinigten Staaten. South Carolina erklärt im Dezember 1860 den Austritt aus der Union, bis zum Februar 1861 folgen Mississippi, Florida, Alabama, Georgia, Louisiana und Texas. Diese sieben schließen sich zu den Konföderierten Staaten von Amerika zusammen. Kurz darauf, am 4. März 1861, wird Lincoln in sein Amt eingeführt. Wenige Tage später, am 12. April, beginnt der Bürgerkrieg mit dem Beschuss von Fort Sumter in South Carolina durch konföderierte Truppen.
Deutsche Regimenter schützen Lincoln

Die Zahl der Deutschen im Heer der Nordstaaten lässt sich nur grob ermitteln. Fakt ist, dass besonders viele 48er-Revolutionsflüchtlinge zu Kriegsbeginn dem Aufruf von Präsident Lincoln folgten und sich freiwillig meldeten. Unter den 92.000 Soldaten des ersten Aufgebots dürften 18.000 deutsche Einwanderer gewesen sein. Allein aus dem Staat New York kamen zehn Regimenter, die nur aus deutschen Freiwilligen bestanden. Es waren deutsche Regimenter, die die Amtseinführung von Lincoln in Washington sicherten.

In den Südstaaten bildeten Deutsche die stärkste Gruppe der Unionstreuen und mussten deshalb Verfolgung und Tod erleiden, besonders in Texas. Laut Volkszählung von 1860 lebten in den USA 1.276.075 geborene Deutsche. Während der vier Kriegsjahre kämpften etwa 216.000 deutsche Einwanderer als Soldaten im Unionsheer. Unter den Freiwilligen, die es zum Teil bis zum General brachten, waren einige Berühmtheiten der Revolution von 1848: Friedrich Hecker, Gustav Struve, Peter Joseph Osterhaus, Franz Siegel, August von Willich und Carl Schurz. Wegen der militärischen Ausbildung und Erfahrung der Deutschen bildeten ihre Einheiten geradezu das Rückgrat der Unionsarmee. In den Regimentern mit deutscher Mehrheit war die Kommandosprache häufig Deutsch.

Besonders deutlich wurde die Rolle der Deutschen in der Stadt St. Louis in Missouri. Dort befand sich ein Zeughaus mit Waffen und Material für 30.000 Soldaten. Kurz nach Ausbruch des Krieges wollte die Südstaatenarmee St. Louis erobern. Unter den 170.000 Einwohnern der Stadt waren 40.000 deutsche Einwanderer. Sie stellten 8000 Freiwillige auf und schützten das Zeughaus vor der Südstaatenarmee. "Die Eroberung jenes Lagers rettete uns St. Louis und war einer der besten Erfolge des ganzen Krieges", sagte Unions-General Ulysses S. Grant. Seinem Südstaaten-Pendant Robert E. Lee wird folgendes Zitat zugeschrieben: "Take the Dutch out of the Union army and we could whip the Yankees easily" - nimm die Deutschen aus der Unionsarmee und wir könnten die Yankees leicht schlagen. Zwei Weltkriege und der Nationalsozialismus haben die Erinnerung an die Rolle der Deutschen im amerikanischen Bürgerkrieg verschüttet.

Fort Sumter nach dem Beschuss durch die Südstaaten-Armee auf einer zeitgenössischen Zeichnung.
(Foto: ASSOCIATED PRESS)

www.n-tv.de/politik/Deutsche-im-amerikan...-article3078481.html
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