Der Oregon Trail

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4 Monate 5 Tage her #7 von Mrs Katelyn
Mrs Katelyn erstellte das Thema Der Oregon Trail
Der Oregon Trail
Historisch interessant und bedeutungsvoll ist der legendäre Oregon Trail, auf dem die europäischen Einwanderer Mitte des 19. Jahrhunderts zu den fruchtbaren Ackerböden Oregons oder zu den Goldminen Kaliforniens gezogen waren und den Westen Nordamerikas kolonisiert hatten. Er beginnt am Ufer des Missouri bei der Stadt Independence, wo die aus allen östlichen Regionen des Landes hergereisten Pioniere sich zum letzten Mal ausrüsten und verproviantieren konnten, schlängelt sich zuerst nordwärts den Missouri entlang nach Omaha, zweigt dort westwärts ab und führt auf der Ebene des Platte-River-Tals zum niedrigsten Übergang über die Rocky Mountains, dem 2300 Meter über Meer gelegenen South Pass, wonach er sich nach verschiedenen Richtungen hin verästelt. Entlang dem Weg entstanden allmählich ein paar Handelsposten und militärische Forts, die sich im Laufe der Jahrzehnte zu Dörfern und Städten auswuchsen.
350 000 Männer, Frauen und Kinder beschritten zwischen 1841 und 1866 diesen Weg. Anders als in Hollywood-Filmen gezeigt wird, reisten sie nicht auf den mitgeführten Ochsenkarren, sondern zu Fuss. Auf den Karren, die mit einer Plane bedeckt waren, führten sie Proviant, Decken, Kleider, Werkzeuge, manchmal Möbelstücke und sogar ganze Klaviere mit. Die Last war häufig viel zu schwer, manches Zugtier brach erschöpft zusammen. Ein Reisender berichtete, man habe weder Karte noch Kompass gebraucht, um den Weg zu finden: man sei dem Geruch der verwesenden Tierkadaver gefolgt. An einigen Orten, etwa in Fairbury südwestlich der Stadt Beatrice oder bei Scott's Bluff, sind noch die in den Kalksteinboden eingefressenen Radspuren der Wagen zu sehen.
Die Reise war äusserst beschwerlich. Sie war 2500 Kilometer lang und dauerte 100 bis 150 Tage. Flüsse mussten durchquert, steinige Pässe überstiegen werden. Im Sommer brannte die Sonne auf die baumlose Prärie, und im Winter schneite es. Es gab Trockenheit, Staub, Heuschreckenschwärme, Wolkenbrüche, Tornados, Schneestürme und viele Krankheiten, darunter die Cholera. Rund ein Zehntel der Auswanderer starb unterwegs an Erschöpfung, Krankheit oder Unfällen. Hinzu kam die Langeweile. Tag für Tag, morgens, mittags und abends die gleiche Speise: trockenes Brot, Bohnen, Speck und gelegentlich etwas Bisonfleisch. Den Augen bot sich während der ersten 1000 Kilometer nichts dar als das eintönige Bild der endlos scheinenden und nur leicht gewellten Ebene der Prärie und Steppe. Abwechslung brachten erst Mitte des Wegs bei Scott's Bluff einige isoliert emporragende Erosionsgebilde, insbesondere der 25 Kilometer weit sichtbare Chimney Rock, eine schlanke Sandsteinsäule, die wie ein Fabrikschlot oder warnender Finger 150 Meter hoch emporragt. Auf Scott's Bluff selber, einem 130 Meter hohen Felsen mit fast senkrecht abfallenden Wänden, gewinnt man im Rundblick über die umstehenden Erosionsgebilde hinweg eine Vorstellung von der Immensität dieser monoton ockerbraunen Ebene.
Besonders beschwerlich war der Weg für die Mormonen. Sie wurden in ihren Heimen im Tal des Mississippi von Andersgläubigen gepeinigt, worauf ihr Führer, Brigham Young, 1847 mit einer ersten Gruppe den Oregon Trail entlang zum Grossen Salzsee wanderte und dort Salt Lake City gründete. 47 000 Personen folgten ihm zwischen 1847 und 1860, in der Hoffnung, dort ihr «Neues Jerusalem» zu finden. Vielen fehlte das Geld zum Kauf eines Ochsenkarrens; sie schleppten ihre Habe auf Handkarren mit.
Hollywoods Indianer-Märchen
Und die Indianer? Auch zu diesem Thema schuf Hollywood falsche Vorstellungen. Zur Legendenbildung und zusätzlichen Heroisierung der ohnehin heroischen Leistung der Pioniere wurde in zahllosen Filmen immer wieder dargestellt, wie Indianer die Einwanderer aus dem Hinterhalt angriffen und diese die Angriffe heldenhaft abwehrten. In Wahrheit waren die Indianer den Fremden anfangs wohlwollend gesinnt, empfingen sie laut den einhelligen Berichten früher Einwanderer freundlich, versorgten sie mit Bisonfleisch und -pelzen und führten sie als Ortskundige zu den günstigsten Pfaden. Erst nachdem die Weissen sie mit Waffen und Vertragsbrüchen um Geld und Land betrogen hatten, setzten sie sich gewaltsam zur Wehr. In den vielen historischen Museen, die im Laufe der letzten Jahrzehnte entlang dem Oregon Trail erstellt worden sind, wird jetzt dieser Sachverhalt deutlich aufgezeigt, so wie ja auch bei den Filmproduzenten von Hollywood allmählich ein Sinneswandel stattfindet.

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